Abiturfeiern auf der Neckarwiese - ein Artikel der Rhein-Neckar-Zeitung (mit Zitaten von Maggie und Aleksandra aus der J2.4)

Abiturfeiern: Ein Gefühl von Freiheit auf der Neckarwiese

Von Julia Naue (RNZ)

Heidelberg. "Der Plan für heute? Trinken, chillen, Eis essen und vielleicht auch mit dem Tretboot fahren", verkündet Lisa. Am Vortag hat die 19-Jährige ihre letzte Abiturprüfung geschrieben - im Fach Englisch. Und das will jetzt ordentlich gefeiert werden. Bei blauem Himmel und sommerlichen Temperaturen scheint die Neckarwiese dafür mehr als geeignet.

Am Dienstag zählte die Polizei schon weit über 1000 Jugendliche. Ab dem frühen Nachmittag bis in die Abendstunden genossen die Schüler die ausgelassene Stimmung am Neckarufer.

Allerdings nahm die große Freiluftparty nicht für alle ein gutes Ende. Neun Schüler unterschätzten die fatale Wirkung des Alkohols und mussten von Polizei und DRK betreut werden. Eine 17-Jährige war sogar kurz bewusstlos und wurde zur Versorgung in die Kinderklinik eingeliefert.

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"Irgendwie gehört das viele Trinken schon dazu", sagt die 18-jährige Abiturientin Friederike. Mit ihren Freundinnen ist die Schülerin des Ottheinrich-Gymnasiums extra aus Wiesloch gekommen, um auf der Neckarwiese ihre letzte schriftliche Prüfung zu begießen. Da sei eben einfach am meisten los. "Doch ein Freund von mir musste gestern wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden. Das muss dann ja auch nicht sein", erzählt sie. Die Heidelberger Polizei beklagt, dass die Neckarwiese am Mittwochmorgen trotz zahlreicher - oft noch leerer - Abfalleimer mit Müll übersät gewesen sei. Dennoch sei die Stimmung nicht aggressiv, sondern entspannt gewesen.

Aufgrund des guten Wetters zieht es in diesem Jahr besonders viele Schüler an den Neckar. Auch am gestrigen Mittwoch wimmelte es wieder von bunt angemalten Jugendlichen, die mit ihren roten, grünen oder blauen Abi-Shirts die Wiese bevölkerten. Maggie und ihre beste Freundin Aleksandra brauchen erst mal ein Eis zur Abkühlung. "Gestern waren wir auch schon hier", erzählt die 19-jährige Aleksandra. "Aber um sechs Uhr sind wir dann heimgefahren, damit wir für heute wieder fit sind", fügt sie hinzu. Irgendwann habe man einfach zu viel Kopfweh von den vielen Trillerpfeifen und natürlich auch vom Alkohol. Aleksandra und Maggie machen ihr Abitur am Heidelberger F+U-Privatschulcentrum und haben beide den Eindruck, dass ihre Prüfungen ganz gut gelaufen seien.

"Hier auf der Neckarwiese hat man dann einfach das Gefühl von Freiheit", schwärmt die 18-jährige Maggie. Das sei dann natürlich auch eine Belohnung für die Mühen der letzten Monate. Mit der Polizei, die das Geschehen am Rande beobachtet, fühlt sich die Abiturientin auch ein Stück weit sicherer. "Da kann dann eben doch weniger passieren. Der ein oder andere übertreibt es ja leider schon."

Auch die Polizei betont, dass es sich bei Ausschreitungen immer nur um Ausnahmen handele. Man dürfe nicht alle Abiturienten über einen Kamm scheren. Für viele der jungen Leute klang der gestrige Abend mit dem Besuch der zentralen Abiparty in der "Halle 02" aus.